Orgeldokumentation
Die Arbeit des Pape Verlages Berlin ist eng mit der Inventarisierung und Dokumentation von Orgeln verbunden. Das System ORDA - Orgel-Datenbank Berlin - ist ein Datenbanksystem, das speziell für diesen Zweck konzipiert und erstellt wurde. Die Entwicklung von ORDA wurde 1985 als Sonderprojekt an der Technischen Universität begonnen und 2002 zum Abschluss gebracht.
Das System wird seit 1986 regelmäßig von Kirchengemeinden, Behörden, Orgelbaufirmen und Privatpersonen für Auskunftszwecke genutzt. Hauptanwendungsgebiet ist der norddeutsche Raum nördlich der Südgrenzen von Niedersachsen und Thüringen. Dies schließt die fünf nördlichen unter den alten Bundesländern und alle neuen Bundesländer ein. Schwerpunkte sind Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin.
Im Projekt ORDA wurden mehrere Ziele verfolgt:
- Die Inventarisierung von Orgeln. Hierbei geht es um eine Bestandsaufnahme des augenblicklichen Zustands, um für jedes einzelne Instrument die grundlegenden Fakten wie Standort, Orgelbauer, Baujahr, Windladensysteme, Traktursysteme, Anzahl der Register, Anzahl der Manuale etc. sowie deren Erhaltungszustand festzuhalten.
- Die Dokumentation ausgewählter Instrumente. Darunter wird eine detailgetreue Beschreibung einer Orgel nach denkmalpflegerischen Gesichtspunken verstanden. Alle wichtigen Informationen wie technischer Aufbau, Pfeifenmensuren, Signaturen etc. werden in Datenbanken aufgenommen, Fotos werden angefertigt, Tondokumente aufgezeichnet. Eine Dokumentation kann eine Bestandsaufnahme im Rahmen einer Inventarisierung ergänzen.
- Ein dritter Aspekt ist der zeitliche Zusammenhang, denn der heutige Zustand ist oft nicht der ursprüngliche und läßt sich nur durch die Erforschung der historischen Entwicklung, insbesondere der oft zahlreichen Baumaßnahmen erklären. Zuweilen sind auch kulturpolitische Entscheidungen oder Beschädigungen vielfältiger Art zu berücksichtigen.
ORDA ist ein System, das alle drei Dimensionen berücksichtigt, aber die historische Entwicklung und die Inventarisierung zunächst in den Vordergrund stellt und gewissermaßen eine Biographie der Orgel schreibt. Da nur diskrete Zustände beschrieben werden können, besteht die Biographie aus einer Folge von Momentaufnahmen, im einfachsten Fall nur aus der Bestandsaufnahme nach dem Neubau.
Durch die Entwicklung der vergangenen zwanzig Jahre ist mit ORDA ein äußerst leistungsfähiges System entstanden, das heute eine wesentliche Komponente der kulturgeschichtlichen Forschung in Norddeutschland darstellt. Träger der Software-Entwicklung war und ist die Technische Universität Berlin mit einer Forschungsstelle für Orgeldokumentation, die sich mit dem Projekt und dem System ORDA als Kontaktstelle für Kommunikations-Netzwerke und Koordinierungsstelle für den Aufbau und die Bereitstellung länderübergreifender Forschungsergebnisse versteht.
ORDA kann aber nicht auf Dauer von einer öffentlichen Institution getragen werden. Deshalb wurde ein Projekt ORDA 2015 ins Leben gerufen, das die Übertragung von ORDA in eine privatwirtschaftliche Trägerschaft zum Ziel hat. Folgende Maßnahmen sind in einer ersten Phase geplant:
- Aufbau einer Orgeldatenbank im Internet. Diese Datenbank, die die Datenbestände in ORDA nutzt, wird der Allgemeinheit gegen eine angemessene Gebühr zugänglich gemacht. Die Datenpflege erfolgt auf dem System der TU Berlin; ein Update der Internetbasis ist alle zwei bis drei Monate vorgesehen.
- Aufbau von Datenbanken in einem Intranet der Landeskirchen. Die Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig (Wolfenbüttel) und die Ev. Landeskirche Berlin Brandenburg Schlesische Oberlausitz (Berlin) sind bereits Kooperationspartner. Die Kirchenprovinz Sachsen in der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (Magdeburg) und die Ev.-luth. Landeskirche in Sachsen (Dresden) haben ihr Interesse signalisiert.
- Kooperation mit den Landesämtern für Denkmalpflege. Die Zusammenarbeit mit der Behörde in Hannover wird fortgesetzt und intensiviert.
- Aufbau einer Datenbank der Orgelbauer und Orgelbaufirmen im Internet. Diese Datenbank nutzt das bereits sehr weit fortgeschrittene System OBS (Orgelbauersystem) im Projekt ORDA und ist eine wichtige Komponente in ORDA 2015. Auch dieses System wird der Allgemeinheit im Internet zugänglich gemacht.
- Fortführung der Literaturdatenbank auf der Basis des Literatursystems in ORDA und der Bibliographie von Marco Brandazza, die zur Zeit 52.000 Titel enthält.
- Fortsetzung der wissenschaftlichen Forschung. Staatsarchive und Archive der Landeskirchen sind die wichtigsten Informationsquellen. Außerdem sind die Akten der Pfarrarchive systematisch durchzuarbeiten. Wenn die kirchlichen Bauakten nicht mehr erhalten sind, können Magistratsakten weiterhelfen, denn nicht selten waren ministerielle Genehmigungen erforderlich oder staatliche Zuschüsse wurden beantragt. Neben diesen ortsbezogenen Archiven muß eine Vielzahl weiterer Archive konsultiert werden. Hierzu gehören beispielsweise Privatarchive von Orgelbaufirmen und Sachverständigen. Für das 19. Jahrhundert liefern auch Zeitschriften und Zeitungen zuweilen erstaunlich informative Texte. Auch bereits vorhandene Literatur muss überprüft und ausgewertet werden.
- Besonders schwierig ist die Dokumentation von Orgeln. Die Aufnahme von Pfeifenmensuren, Windladenmaßen und Trakturabmessungen ist nur im abgebauten Zustand möglich. Hier sind die Dokumentare auf die Zuarbeit von Orgelbauern und die Bereitstellung ausführlicher Restaurierungsberichte angewiesen. Auch Erhebungen durch Sachverständige anlässlich von Reinigungen und Restaurierungen sind ein wichtiger Beitrag.
Unterstützung bei der Inventarisierung und Dokumentation von Orgeln bietet die