Georg Joseph Vogler

Umbrüche im Orgelbau Band II

Uwe Pape (Hrsg.)

Die Berichte über das „Simplifikationssystem“ in der Presse und die Prominenz des durch viele Reisen gut bekannten Erfinders veranlassten mehrere Landesregierun­gen, das System im Rahmen von Verordnungen einzuführen. 1801, nach dem Umbau der Orgel in der Berliner Marienkirche und dem Neubau in Neuruppin, erging an alle Konsistorien des preußischen Staates der königliche Befehl, alle neuen Orgeln nach dem Voglerschen System zu erbauen und die alten entspre­chend zu reparieren.

Sein lebenslanges Bestreben, die Orgel neu zu konzipieren, sie zu vereinfachen und ihr die Ausdrucksmöglichkeiten eines Orchesters zu geben, ist bis heute nicht eingehend genug erforscht. Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Orgeldokumentation hat 2003 in Stockholm eine Tagung über die europaweiten Aktivitäten und Einflüsse Voglers veranstaltet. Die Vortragenden dieses Symposiums berichten in dem jetzt vorgelegten Sammelband unter dem Leitmotiv „Umbrüche im Orgelbau“ über Voglers europaweiten Bemühungen um die Orgel.

  • Paul Peeters: Leben und Werk von Abbé Georg Joseph Vogler (Würzburg 1749 – Darmstadt 1814) – Versuch einer kurzen Bilanz

  • Hermann J. Busch: Helden, Hirten und Donnerwetter – Georg Joseph Voglers illustrative Orgelimprovisationen und ihr Umkreis

  • Christhard Kirchner: Abbé Georg Joseph Vogler (1749-1814) und sein Einfluss auf den Orgelbau in Berlin und Brandenburg

  • Uwe Pape: Die misslungene Umschaffung der Wagner-Orgel der St. Marien-Kirche in Berlin

  • Uwe Pape: Voglers simplifizierte Orgel in Neuruppin

  • Wolfram Hackel: Friedrich Wilke und die Orgel von Johann Friedrich Schulze für St. Marien in Wismar

  • Mette Müller: Christian Gottlieb Kratzenstein und die durchschlagende Zunge

  • Bart van Buitenen: Das Orchestrion des Abt Vogler und dessen Erbauer Johannes Pieter Künckel

  • Niclas Fredriksson: Ein teilweise revidiertes und komplettiertes Bild von Georg Joseph Vogler und seine Bedeutung für den Orgelbau in Schweden

  • Karl Schütz: Georg Joseph Vogler in Österreich

Zum Erfolg seiner Ideen verhalf erst der Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker durch den Bau der Orgel in der Paulskirche in Frankfurt/Main 1833. Er berief sich bei den Verhandlungen ausdrücklich auf Voglersche Ideen. Der von Vogler eingeleitete Umbruch im Orgelbau hat die verbleibenden zwei Drittel des 19. Jahrhunderts stark beeinflusst. Walcker hat Voglers Gedanken der Monumentalität des Orgelklangs, die sich mit Simplifikationen nicht entschieden genug verwirklichen ließ, neu interpretiert und weiterentwickelt.

2007, 287 S., 28 Abb., mehrere Textreproduktionen, 16,4 x 22,7, französische Broschur, Fadenheftung

229. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde (GdO), 12. Veröffentlichung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Orgeldokumentation (IAOD)