
Rezension zu
Die Einführung bildet ein kurzer biographischer Abriss zu dem Orgelbauer Friedrich Hermann Lütkemüller (1815-1899) in Wittstock. Der umfangreiche Hauptteil des Bandes, das chronologisch geordnete Werkverzeichnis Lütkemüllers mit Neubauten, Umbauten, Reparaturen und Kostenanschlägen sowie dem späteren Schicksal seiner Orgeln einschließlich einer aktuellen Bestandsaufnahme wurde mit Hilfe der Orgeldatenbank Berlin (ORDA) erstellt. Hinweise zu Datenbank und Struktur der Ausgabe sind vorangestellt.
Lütkemüller, Schüler von Friedrich Turley, hat nach seiner Wanderschalt und einer Tätigkeit bei E. F. Walcker ab 1844 in eigener Werkstatt über 180 Orgeln in die Prignitz, die Altmark, das Havelland und nach Mecklenburg geliefert. Hinzu kommt eine umfangreiche Tätigkeit an schon bestehenden Orgeln.
Bei älteren Orgeln beginnt die Darstellung der Baugeschichte mit dem ursprünglichen Zustand und Baujahr, es folgt die Tätigkeit von Lütkemüller und eine Liste der weiteren Arbeiten bis in unsere Zeit. Als Beispiel dafür sei die Orgel in Luckau (Neubau 1673 von Christoph Donat d. Ä.; Umbau Lütkemüller 1873, Restaurierung / Rekonstruktion A. Schuke, Potsdam, 1963-1977) genannt. Auf diese Weise ist in das Werkverzeichnis eine Vielzahl bisher unveröffentlichter Details zu den Instrumenten selbst aus den erreichbaren Archivbeständen eingeflossen. Bautechnische Besonderheiten werden ebenso beschrieben wie die Arbeiten anderer Orgelbauer.
Die Quellen und persönlichen Mitteilungen von Orgelbauern, Sachverständigen, Organologen u. a. werden jeweils zitiert. Damit ergibt sich ein weit über den Orgelbauer Lütkemüller hinausgehender Fundus an Fakten, der sowohl für die Orgellandschaft als auch für andere Orgelbauer und damit für die weitere Forschung von Bedeutung ist. Der praktische Wert der Sammlung von Datensätzen in einer Orgeldatenbank und die vielfältigen Möglichkeiten der Auswertung werden mit dieser Publikation deutlich. Eine lexikalische Aufstellung von Orgelbauern und Orgelbaufirmen, die im Werkverzeichnis genannt werden, ergänzt zusammen mit Literatur-, Ortsund Personenverzeichnis die Arbeit und ermöglicht eine rasche Orientierung.
(Eine ausführlichere biographische Darstellung siehe bei Uwe Pape, Friedrich Hermann Lütkemüller, in: Acta Organologica Band 26, S. 289-318, Berlin 1998).
Wolfram Hackel