
Im Stadtarchiv Hannover befindet sich eine Akte über fünf Orgelbauer, die im 18. und 19. Jahrhundert in Hannover gewirkt haben. Diese Akte besteht aus drei Büchern. Das erste Buch wurde von Christian Vater am 21. Februar 1697 begonnen. Das Titelblatt trägt den Namen, das Datum und den Zusatz "Lust und Liebe Zum Dinge macht alle arbeit geringe". Da Christian Vater 1697 eine Lehre oder Gesellentätigkeit bei Arp Schnitger begann, dürfen wir vermuten, dass es sich bei diesem Buch um das Lehrbuch Christian Vaters handelt, das dieser bei Antritt seiner Tätigkeit bei Schnitger anzulegen hatte.
Christian Vater wurde am 11. Oktober 1679 in Hannover getauft. Er ging nach einer kurzen Lehre bei seinem Vater und einer Ausbildung zum Organisten zu Arp Schnitger nach Hamburg. Dort blieb er etwas mehr als fünf Jahre. 1702 hat er sich selbständig gemacht und im Frühjahr 1703 seine erste Orgel nach Langenhagen bei Hannover geliefert. Am 22.1.1709 heiratete er Sophia Margaretha Coberg, Tochter des 1708 verstorbenen Hoforganisten in Hannover. Noch im selben Jahr wurde er Organist der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis zu Hannover und damit Nachfolger seines Schwiegervaters im Organistenamt.
Die Stellung als Hoforganist verschaffte ihm gute Kontakte, so dass er bald ein bekannter und berühmter Orgelbauer war. So erklären sich auch die Verbindungen nach Darmstadt (Schloss) und Amsterdam (Oude Kerk). Sein Hauptarbeitsfeld lag im Kurfürstentum Hannover, im Bistum Osnabrück und im Oldenburger Land. Anlässlich einer Bewerbung in Hohnstedt bei Northeim hebt Vater hervor, dass er um 1716/17 bereits "33 Orgeln teils neu gebaut, teils renoviert hat." In Bockhorn, Wiefelstede und Gifhorn sind Orgeln gut erhalten. Mindestens in Einbeck, Moringen und Celle wurden Pfeifen von Carl Giesecke und Ernst Wilhelm Meyer übernommen.
Vaters Dispositionen und Gehäuse lehnen sich eng an den Stil Arp Schnitgers an. Seine Werke zeichnen sich durch eine gut durchdachte und ausgereifte Bauweise aus und haben eine große Ähnlichkeit miteinander. Sie sind von so guter Qualität, dass beispielsweise der Orgelbauer Krämershoff 1803 in einem Gutachten für die Orgel in Bockhorn feststellen konnte, dass alles "noch so ziemlich in gutem brauchbaren Stande" war, obwohl bis dahin nichts wesentliches an der Orgel getan worden war. Sie sei "eine der besten im Land".
Das Werkstattbuch ist eine bedeutende Quelle für die Gestaltung von Orgelpfeifenmensuren. Es besteht aus mehreren Teilen. Die bei weitem interessantesten Teile des Buches enthalten Mensur-Zeichnungen. Es gibt aber auch Texte über Orgeln, die Schnitger und Vater besucht haben, sowie Tabellen über die Zusammensetzung von Mixturen.
Aus der Zeit Christian Vaters ist keine vergleichbare Dokumentation von Mensuren bekannt. Vaters Buch gibt einen sehr guten Einblick in die Art, wie in der norddeutschen Orgelbau-Schule Mensuren entworfen wurden.
2001. Mit einem Vorwort von Paul Peeters. 183. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde, 4. Veröffentlichung der IAOD. Fadenheftung, kartoniert, 107 Seiten, davon 56 Seiten Faksimile, mit Transkription des Textes und 75 Mensurtabellen zu mehr als 80 Registern.
64,-- €, für Mitglieder der GdO und IAOD 54,-- €.